Messeaktivitäten
|
|
Die räumliche Konzentration der Bevölkerung auf wenige Großstädte in Verbindung mit einer hochmodernen Wirtschaft beförderte trotz der insgesamt niedrigen Einwohnerzahl des Landes in den letzten 20 Jahren die Entwicklung eines modernen Kongress- und Messemarktes auf hohem Niveau. Anders als z.B. in Europa wird in Australien die Trennlinie zwischen Messewirtschaft, Kongress-/Tagungswirtschaft weniger scharf gezogen. Messe- und Kongresswirtschaft sind dort oft unter der Bezeichnung Business Events zusammengefasst. Die australische Sicht auf den Veranstaltungsmarkt entspricht damit eher der asiatischen - insbesondere der ASEAN-Staaten-, wo die Messe-, Kongress- und Tagungswirtschaft häufig unter dem Begriff MICE (Meetings, Incentives, Conventin, Events) geführt und im Grunde in dieser weit gefassten Definition als eine Branche verstanden wird. Eine Folge dieser Sichtweise ist, dass sich auch die Verbände der Branche als das Sprachrohr für alle Veranstaltungsarten verstehen, die Geschäftsreisen implizieren. Gegenstand von Marktanalysen ist deshalb meistens die Gesamtheit aller Veranstaltungsarten. Aussagen zur Messewirtschaft müssen aus solchen Branchenüberblicken herausgefiltert werden.
|
In den letzten 10 Jahren wurden verschiedene Untersuchungen zum australischen Veranstaltungsmarkt veröffentlicht, z.B. die National Business Events Study (2003) herausgegeben vom "Sustainable Tourism Cooperative Research Centre (STCRC)", das 1997 mit Unterstützung der australischen Regierung gegründet wurde. Die Ergebnisse der Studie werden weiterhin in aktuellen Studien zitiert, z. B. in der National Business Events Strategy 2020 vom Oktober 2009. Auch zur "Exhibition & Event Industry Benchmark Study 2003/2004", eine vom australischen Messeverband EEAA in Auftrag gegebene und von Micromex Research durchgeführte Studie, gibt es derzeit keine aktuelleren Daten. Anhaltspunkte zum Marktgeschehen können sie dennoch liefern, allerdings ohne neueste Trends.
Den vorliegenden Studien sind folgende Richtwerte für die australische Messewirtschaft zu entnehmen: Insgesamt wird die Zahl von Messen und Events mit mehr als 500 m² vermieteter Ausstellungsfläche in Australien und Neuseeland auf rund 400 geschätzt, von denen allerdings 60 % als Verbraucherausstellungen einzustufen sind. Unter den 40 % Fachmessen befindet sich noch ein großer Teil regionaler Fachmessen, der für ausländische Aussteller kaum von Bedeutung ist. 82.000 Aussteller (44.000 auf Fachmessen, 4.237 auf Messen mit Fach- und Schaupublikum und knapp 34.000 auf reinen Publikumsmessen) und 3,7 Mio. allgemeines Publikum und 614.000 Fachbesucher waren in 2003/4 auf australischen Messen präsent. Die Bruttofläche betrug mehr als 4. Mio. m², davon entfielen 626.000 m² auf reine Fachmessen und etwas mehr als 160.000 m² auf Messen mit Fach- und Schaupublikum. Rund 3,4 Mio. m² wurden auf reinen Publikumsmessen vermietet. 42 % der Bruttofläche (rd. 1,7 Mio. m²) wurden vermietet.
In absoluten Zahlen konnte die australische Business Event-Wirtschaft in den vergangenen Jahren zwar zulegen, der Business Event Council of Australia - BECA warnt allerdings in seiner im Oktober 2008 veröffentlichten "Business Events Strategy for Australia 2020" davor, dass Australien am weltweiten Wachstum der Branche in den letzten Jahren deutlich unterproportional partizipiert hat und deshalb im Ranking der ICCA International Congress and Convention Association aus der Top Ten gefallen ist. Für 2008 belegte Australien nur noch den 14. Platz.
Die Platzierung im Ranking sei lediglich ein Symptom. Die Gefahren seien vielmehr darin zu sehen, dass das Messepotenzial nicht ausreichend zur Weiterentwicklung der australischen Wirtschaft genutzt werde. Wissenstransfers seien für moderne Volkswirtschaften wie die australische von wesentlicher Bedeutung. Messen und Kongresse seien hierfür eine effiziente Plattform. Der Council fordert deshalb eine langfristige Entwicklungspolitik, die beim Aufbau und der Entwicklung zukunftsorientierter Wirtschaftszweige Messen und Kongressen eine Schlüsselstellung zukommen lasse. Gleichzeitig fordert BECA zusätzliche öffentliche Mittel zur Förderung der Kongress- und Messeinfrastruktur.
Die australische Regierung hat reagiert und über das Ministerium für Tourismus eine "Business Events Strategy Implementation Group" eingerichtet, deren Mitglieder im Mai 2009 benannt wurden. Die Gruppe soll Strategien ausarbeiten, damit die australische Messe- und Tagungswirtschaft nachhaltig und international wettbewerbsfähig bleibt. Mitglieder dieser Gruppe setzen sich unter anderem aus Vertretern der Spitzenorganisationen der Branche zusammen.
Die AUMA-Messedatenbank enthält rund 50 Messen in Australien. Die Messethemen spiegeln die wirtschaftlichen Schwerpunkte des Landes. Dies sind die neuen Technologien und Dienstleistungen (Biotechnologie, Foto-/Filmtechnologien, IT-Lösungen, Franchising, Grundstücke/Investment, Hotelausstattung /-bedarf, Medizin/Gesundheit/Fitness), Messen für Konsumgüter (Lebensmittel/Getränke, Musikinstrumente, Boote, Geschenkartikel), Automobile) und Messen für die Infrastruktur bzw. Nutzung der Bodenschätze (Bau, Bergbau, Öl/Gas, Luftfahrt, Schifffahrt, Landwirtschaft). Aber auch für die Verpackungsindustrie und der Anlagenbau/verarbeitende Industrie werden Messen in Australien veranstaltet.
|
Stand: 1/2010
|
|