Brasilien besitzt eine föderale Struktur (27 Bundesstaaten). Die
Wirtschaftskraft ist auf die einzelnen Bundesstaaten ungleich verteilt. Das
wirtschaftliche Geschehen liegt eindeutig im Süden/Südosten des Landes um die
Ballungsräume Sao Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte konzentriert.
Obwohl der Bundesstaat Sao Paulo nur 3 % der Fläche Brasiliens belegt,
wohnt dort gut ein Fünftel der Bevölkerung. Zwischen 35 % und 40 % der
brasilianischen Industrieproduktion stammt aus dem Bundesstaat Sao Paulo, ein
Drittel des brasilianischen BIP wird dort erzeugt. Das Pro-Kopf-Einkommen in
Sao Paulo liegt folglich deutlich über dem Landesdurchschnitt.
Neben Automobilindustrie und Maschinenbau findet man Textilindustrie, chemische
Industrie, Lebensmittelindustrie, eigentlich - bis auf wenige Ausnahmen - alle
für Brasilien bedeutende Branchen. Im Inneren von São Paulo wird Obst,
Zuckerrohr, Getreide und Kaffee angebaut. Vor der Küste Litoral Norte lagern
riesige Mengen an Erdgas, die in den nächsten Jahren erschlossen werden sollen
und Milliarden Euro Investitionen für die Region bedeuten werden.
Die gleichnamige Hauptsstadt des Bundesstaates ist auch das Finanz- und
Handelszentrum Brasiliens. Nach Mexiko City und Tokio ist sie die drittgrößte
Megametropole. Jeder neunte Brasilianer lebt hier.
Nach Sao Paulo trägt Rio de Janeiro am meisten zum brasilianischen BIP
bei. Der Anteil am BIP liegt bei rund 12 %. Dabei wird der überwiegende Teil
(ca. 58%) im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Der Tourismus spielt eine
sehr bedeutende Rolle. Die wichtigsten Industrien sind die chemische Industrie,
Erdöl- und Gasförderung und Metallindustrie.
Rio Grande do Sul, der südlichste Bundesstaat ist ein wichtiger
Industriestandort (Metall verarbeitende Industrie, Lebensmittel-, Leder-,
Schuh-, Textilindustrie) für Brasilien. Der Bundesstaat ist außerdem ein
wichtiger Produzent von Getreide (Weizen, Soja, Reis, Mais) und Vieh (Geflügel,
Rinder, Schweine). Mit über 4.000 USD liegt das Pro-Kopf-Einkommen deutlich
über dem Landesdurchschnitt. Das BIP liegt bei mehr als 40 Mrd. USD. Durch
seine geografische Lage im Süden Brasiliens und direkte Grenzen zu Argentinien
und Uruguay hat Rio Grande do Sul eine starke strategische Bedeutung im
Mercosul.
Für Minas Gerais ist, wie es aus dem Namen schon hervorgeht, der Bergbau
der wichtigste Industriezweig. Insbesondere werden Erze abgebaut und Eisen,
Aluminium und Zink produziert, außerdem Phosphat. In Minas Gerais gibt es auch
Goldvorkommen. Aus dem landwirtschaftlichen Bereich ist vor allem der Anbau von
Baumwolle als Grundlage für die lokale Textilindustrie zu nennen.
Paraná ist vor allem als Produktionsstandort von Automobilherstellern zu
nennen und gilt als Brasiliens wichtigster Agrarproduzent (Mais, Baumwolle,
Weizen, Soja, Reis, Erdnüsse, Bohnen, Schweine, Geflügel).
Der Norden Brasiliens, vor allen Dingen geprägt durch den flächenmäßig größten
Bundesstaat Amazonas, besteht hauptsächlich aus Regenwald. Der Industrie- und
Dienstleistungssektor spielt hier eine untergeordnete Rolle. Die brasilianische
Regierung hat Programme zur Industrialisierung des Nordens aufgelegt.
Stand: 7/2006
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