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Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen
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Brasilien ist flächenmäßig das fünftgrößte Land der Welt (8,5 Mio km²). Mit rund 192 Mio. Einwohnern belegt Brasilien ebenfalls den fünften Platz nach China, Indien, den USA und Indonesien und noch vor Russland.
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Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2.500 Mrd. USD im Jahr 2011 (Quelle: GTAI) hat sich Brasilien in den vergangenen Jahren deutlich vor seinem nördlichen Konkurrenten Mexiko (1.115 Mrd. USD) platziert; gemessen am Pro-Kopf-Einkommen ist der Abstand aufgrund der geringeren Einwohnerzahl Mexikos (rd. 114 Mio. Einwohner) deutlich geringer (Brasilien: Prokopfeinkommen 2011 12.800 USD; Mexiko: 10.153 USD).
Das Bruttoinlandsprodukt wird zum größten Teil vom Dienstleistungssektor erwirtschaftet (ca. 65% BIP-Anteil), gefolgt vom Industriebereich (Bergbau, verarbeitendes Gewerbe und Bauwirtschaft, ca. 17%) und Agrarwirtschaft (ca. 6,7%) (Quelle Auswärtiges Amt). Die wichtigsten Branchen des verarbeitenden Gewerbes sind die Lebensmittelverarbeitung, die Erdölraffinerie/Petrochemie, der Maschinenbau und die Metallverarbeitung. Die Landwirtschaft ist trotz eines relativ geringen BIP-Anteils von knapp 8% traditionell einer der größten Arbeitgeber.
Brasilien besitzt große Rohstoffvorkommen, z.B. Eisenerz, Mangan, Bauxit, Nickel, Kohle aber auch Erdöl und Erdgas. Die steigende Weltnachfrage nach diesen Rohstoffen inkl. Agrarprodukte, die vor allem auf der Nachfrage aus China basiert, kommt Brasilien zugute.
Bundesstaaten
Brasilien besitzt eine föderale Struktur (27 Bundesstaaten). Die Wirtschaftskraft ist auf die einzelnen Bundesstaaten ungleich verteilt. Das wirtschaftliche Geschehen liegt eindeutig im Süden/Südosten des Landes um die Ballungsräume São Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte konzentriert.
Der Bundesstaat São Paulo ist das wirtschaftliche Zentrum Brasiliens. Auf einer Fläche von ca. 249.000 km² (3% der Fläche Brasiliens) leben rund 41 Mio. Einwohner. Zum Vergleich: der US-Bundesstaat Kalifornien hat eine ähnlich hohe Bevölkerungszahl (rd. 37,5 Mio.) und eine um 70% größere Fläche (424.000 km²). Deutschland hat 357.000 km² und 82 Mio. Einwohner.
Obwohl der Bundesstaat São Paulo nur 3% der Fläche Brasiliens belegt, wohnt dort gut ein Fünftel der Bevölkerung. Zwischen 35% und 40% der brasilianischen Industrieproduktion stammt aus dem Bundesstaat São Paulo, ein Drittel des brasilianischen BIP wird dort erzeugt. Das Pro-Kopf-Einkommen in São Paulo liegt folglich deutlich über dem Landesdurchschnitt. Neben Automobilindustrie und Maschinenbau findet man Textilindustrie, chemische Industrie, Lebensmittelindustrie, so gut wie alle für Brasilien bedeutenden Branchen. Im Inneren des Bundesstaates wird Obst, Zuckerrohr, Getreide und Kaffee angebaut. Vor der Küste Litoral Norte lagern riesige Mengen an Erdgas. Die gleichnamige Hauptstadt des Bundesstaates ist auch das Finanz- und Handelszentrum Brasiliens. Sie gehört zu den zehn größten Weltmetropolen.
Nach São Paulo trägt der Bundesstaat Rio de Janeiro (15 Mio. Einwohner, 44.000 km²) mit einem Anteil von 12% am meisten zum brasilianischen BIP bei. Der überwiegende Teil (ca. 58%) wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Der Tourismus spielt eine bedeutende Rolle. Die wichtigsten Industrien sind die chemische Industrie, Erdöl- und Gasförderung und Metallindustrie.
Rio Grande do Sul, der südlichste Bundesstaat, ist ein wichtiger Industriestandort (Metall verarbeitende Industrie, Lebensmittel-, Leder-, Schuh-, Textilindustrie) für Brasilien. Der Bundesstaat ist außerdem ein wichtiger Produzent von Getreide (Weizen, Soja, Reis, Mais) und Vieh (Geflügel, Rinder, Schweine). Durch seine geografische Lage im Süden Brasiliens und direkten Grenzen zu Argentinien und Uruguay hat Rio Grande do Sul eine starke strategische Bedeutung im Mercosul.
Für Minas Gerais ist, wie es aus dem Namen schon hervorgeht, der Bergbau der wichtigste Industriezweig. Insbesondere werden Erze abgebaut und Eisen, Aluminium und Zink produziert, außerdem Phosphat. In Minas Gerais gibt es auch Goldvorkommen. Aus dem landwirtschaftlichen Bereich ist vor allem der Anbau von Baumwolle als Grundlage für die lokale Textilindustrie zu nennen.
Paraná ist Produktionsstandort für Automobilhersteller und gilt als Brasiliens wichtigster Agrarproduzent (Mais, Baumwolle, Weizen, Soja, Reis, Erdnüsse, Bohnen, Schweine, Geflügel). Der Norden Brasiliens, vor allen Dingen geprägt durch den flächenmäßig größten Bundesstaat Amazonas, besteht hauptsächlich aus Regenwald. Der Industrie- und Dienstleistungssektor spielt hier eine untergeordnete Rolle.
Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Brasilien ist vor Mexiko Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Die deutschen Exporte nach Brasilien lagen 2011 bei rund 11 Mrd. Euro, die Importe aus Brasilien bei ebenfalls rund 11 Mrd. Euro.
Brasiliens Volkswirtschaft ist heute deutlich stabiler und unabhängiger von politischen Einflüssen als vor der Jahrhundertwende. Die Größe des Landes, die Rohstoffvorkommen sowie die vergleichsweise breit aufgestellte Wirtschaft lassen Brasilien als ein Land mit großem Potenzial für den deutschen Export erscheinen. Den an sich guten Geschäftsaussichten steht allerdings eine brasilianische Wirtschaftspolitik gegenüber, die den Import von Waren und Dienstleistungen erschwert. Denn mit der Wirtschaftspolitik will die brasilianische Regierung die Investitionstätigkeit im Land stärken und die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produkte erhöhen (Plano Brasil Maior). Zum Schutz der heimischen Produktion wird ausländischen Unternehmen der Export nach Brasilien durch die Zollpolitik erschwert, insbesondere in solchen Branchen, in denen die brasilianische Regierung die Produktion im eigenen Land ausbauen will.
Für Unternehmen, die Brasilien als neuen Markt erschließen wollen, ist es ratsam, sich über Zölle und nichttarifäre Importbedingungen für Erzeugnisse der eigenen Branche zu informieren (z.B. bei der GTAI).
Die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Brasilien werden 2013/2014 im Rahmen des "Deutschlandjahr in Brasilien" unter dem Motto "Wo Ideen sich verbinden" vertieft. Die Initiative dient der Intensivierung und Ausweitung der deutsch-brasilianischen Beziehungen. Zugleich will das Jahr Anstöße für neue Kooperationen geben. Mehr zum Deutschlandjahr in Brasilien ist dem nachstehenden Link zu entnehmen: http://www.alemanha-e-brasil.org/de.
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Stand: 1/2013
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