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Die afrikanische Messewirtschaft befindet sich also weiterhin im Aufbau. Auf absehbare Zeit werden Universal- und Agrarmessen das Bild der Messelandschaft der Subsahara prägen. Auf solchen Messen kann im Grunde alles ausgestellt werden. Direktverkauf ist in der Regel zugelassen, oft allerdings begrenzt auf dafür vorgesehene Hallen oder abgegrenzte Bereiche im Freigelände. Bestimmte Branchen können innerhalb dieses weit gefassten Rahmens an Zugkraft gewinnen. Das sind Branchen, die für die Bevölkerung (Gesundheit, medizinische Versorgung, Bildung) oder für den Aufbau der Infrastruktur von Bedeutung sind (Energie, Telekommunikation, Weiterverarbeitung von Rohstoffen, Umweltschutz, erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Bau, Verkehrsinfrastruktur).
Die typische Universalmesse ist nicht nur das wirtschaftliche Ereignis für die Region, sondern auch eine willkommene Abwechslung vom Alltag für die Bevölkerung. Universal- und Landwirtschaftsmessen bekommen deshalb auch einen Volksfestcharakter. Die Besucherzahlen liegen zwischen 100.000 und 500.000. Sie enthalten einen hohen Anteil an Schaupublikum, darunter zahlreiche Jugendliche und Kinder. Imbiss- und Souvenirstände verleihen diesen Universalmessen jahrmarktähnlichen Charakter.
Die Messen werden häufig vom Staatspräsidenten eröffnet. Oft gehört der erste Messetag den eröffnenden Politikern. Entsprechend wird nationalen Beteiligungen ein hoher Stellenwert beigemessen. Afrikanische Universalmessen haben also - anders als Fachmessen - nicht ausschließlich eine Handel unterstützende Funktion. Die Messen können deshalb bis zu zwei Wochen dauern. Dies kollidiert mit den Interessen internationaler Aussteller. Von ihnen wird insbesondere die Messedauer, in manchen Fällen auch die täglichen Öffnungszeiten, sofern diese Mittagspausen beinhalten, beklagt. Einige Veranstalter haben in den letzten Jahren hierauf reagiert, indem sie die Messelaufzeit verkürzt haben. Mit einer Laufzeit von über einer Woche sind sie für ausländische Aussteller aber immer noch zu lang angesetzt.
Eine für Anfang 2007 geplante deutsche Beteiligung an der Internationalen Messe Khartoum in Sudan musste wegen zu geringen Beteiligungsinteresses aus der deutschen Wirtschaft abgesagt werden. Für international agierende Unternehmen ist die Messe, obwohl sie die wichtigste Plattform des Landes ist, nur von eingeschränktem Interesse. Eine zehntägige Messelaufzeit ist für viele Aussteller zu lange, zumal es keine Fachbesuchertage gibt. Darüber hinaus sind eine tägliche Öffnungszeit von 10 Uhr bis 22 Uhr und eine mittägliche Unterbrechung von vier Stunden für auf Effizienz bedachte internationale Aussteller zu lang.
Ausländische Unternehmen stellen in der Regel über ihre ortsansässigen Niederlassungen oder Repräsentanten aus. Die Standbesetzung wird durch Personal aus dem Stammhaus verstärkt, meist nur für die ersten Messetage.
Ansätze für ein Fachmessewesen sind zu erkennen. Ausländische Veranstalter versuchen in der Subsahara Themen wie Bau, Gesundheit und Energie zu etablieren, bislang allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Dem hohen Bedarf an, beispielsweise, medizinischen Geräten steht eine geringe Nachfrage auf breiter Basis entgegen. Außerdem kennen die Anbieter solcher Geräte in der Regel die wenigen wichtigen Abnehmer, wie z.B. private Krankenhäuser, die sie dann direkt ansprechen. In manchen Branchen wird der Einstieg über Fachkongresse getestet. Land und Leuten können bei geringeren Teilnahmekosten erst einmal für das jeweilige Thema sensibilisiert werden. Negativ auf die Besucherzahl wirkt sich die schlechte Verkehrsinfrastruktur aus. Sie verhindert im Grunde Einzugsgebiete, die deutlich über den Großraum des jeweiligen Veranstaltungsortes hinaus gehen.
Den Fachmessen fehlt es auch an politischer Unterstützung, wie sie die publikumswirksamen Universalmessen erhalten. In den zentralistisch geführten Ländern der Region sind die politischen Schaltstellen weiterhin für die meisten Branchen die zentralen Abnehmer. Diese werden auf den Universalmessen erreicht. Das Messeumfeld lässt bislang also noch nicht ausreichend Raum für ein spezifiziertes Fachmessewesen.
Eine Ausnahme ist die Fachmesse Nigeria Oil & Gas. Sie wird vom britischen Veranstalter CWC Associates Ltd. seit 2004 jährlich in Abuja, Nigeria, veranstaltet. 2008 präsentierten sich 145 Aussteller der Öl- und Gasbranche auf 2.720 m² vermieteter Fläche. 4.300 Besucher, insbesondere Vertreter aus der Öl- und Gas- inkl. Zulieferindustrie sowie aus der Politik kamen zur Messe.
Stand: 8/2008
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