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Wirtschaft


Das Image Lateinamerikas hatte im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gelitten. Die unstetige politische und wirtschaftliche Entwicklung in fast allen Ländern des Kontinents hatte den Ruf von unzuverlässigen Partnern hinterlassen. Lateinamerika wurde zu einem Absatzmarkt für Insider. In der Region aktive Unternehmen blieben ihr treu, Newcomer im Überseegeschäft bevorzugten andere Regionen, insbesondere Süd-Ost-Asien, Russland oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Aktuell verändert sich das Bild Lateinamerikas positiv.

Casa Piedra Santiago Chile ist da keine Ausnahme. Obwohl die letzte große Wirtschaftskrise, als Folge der Asien-Krise, bereits 13 Jahre zurückliegt und sich Chile seitdem auf einem kontinuierlichen wirtschaftlichen Wachstumskurs befindet, erhält es als Absatzmarkt erst langsam wieder mehr Aufmerksamkeit. Vertrauen aufbauen braucht Zeit und Chile arbeitet seit Jahren kräftig daran, das Vertrauen der Geschäftspartner in Übersee zu gewinnen bzw. zurückzugewinnen.

Die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer attestiert Chile "... politische Stabilität, eine verlässliche Wirtschaftspolitik und Gesetzgebung sowie geringe Korruption. Nach einer Studie der Organisation Transparency International nimmt das Land bezüglich der Korruption von 180 Ländern Platz 23 knapp hinter Deutschland, Japan und den USA ein. Chile ist damit nicht nur das Land mit der geringsten Korruptionsrate in Südamerika, sondern auch im internationalen Vergleich eines der korruptionsfreisten Länder."

Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009 hat Chile - verglichen mit Ländern anderer Weltregionen - überdurchschnittlich gut überstanden. Trotz des starken Erdbebens zu Beginn des Jahres 2010, das weite Teile des Landes in Mitleidenschaft gezogen hat, bleibt die chilenische Wirtschaft auf Wachstumskurs.

Die günstigen Rahmenbedingungen machen Chile für Unternehmen interessant, obwohl der chilenische Binnenmarkt mit rund 17 Mio. Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von rund 200 Mrd. USD (2010) zu den kleineren Märkten Südamerikas zählt.

Als Rohstoff-Lieferant ist Chile ein wichtiger Handelspartner. Insbesondere asiatische Staaten sättigen ihren wachsenden Rohstoffhunger in Lateinamerika. Laut GTAI - Germany Trade and Invest ist der Bergbau mit rund 18 % an der Entstehung des chilenischen BIP beteiligt. Weitere wichtige Branchen des Landes sind nach GTAI das verarbeitende Gewerbe (13 %), Finanzdienstleistungen (16 %), Handel und Gewerbe (10 %), die Bauwirtschaft (8 %) und Transport (6 %). Die Land- und Forstwirtschaft hat lediglich einen Anteil von knapp 3 %. Am chilenischen Export ist die Landwirtschaft stärker beteiligt. 5 % des Exports sind Früchte, Fisch und Meeresfrüchte (5 %), Wein (2 %), Kork und Holz (2 %). Rund 60 % des chilenischen Exports entfallen allerdings auf Metalle (Kupfer, Kupfererze, Kupferkonzentrate, Molybdänerz). Hauptabnehmerländer sind China, die USA und Japan. Die Niederlande sind wichtigstes europäisches Abnehmerland.

Chiles Haupteinfuhrgüter sind Erdöl (26 %), Maschinen (12 %), Kfz und Kfz.-Teile (9 %), chemische Erzeugnisse (ohne Kunststoffe), Elektronik (6 %). Die USA, China und Argentinien sind Chiles Hauptlieferländer. Deutschland ist Chiles wichtigstes europäisches Lieferland.

Die deutschen Einfuhren aus Chile betrugen nach GTAI im Jahr 2009 1,5 Mrd. Euro, die Ausfuhren nach Chile betrugen 1,2 Mrd. Euro. Die Zahlen des Jahres 2009 sind wegen der schlechten Weltwirtschaftslage und dem Einbruch des Welthandels insgesamt nicht repräsentativ. 2008 betrugen die deutschen Einfuhren aus Chile noch 2,2 Mrd. Euro, die Ausfuhren nach Chile lagen bei 1,5 Mrd. Euro. Für 2010 wird ein Wachstum prognostiziert.

Die Einnahmen aus Rohstoffverkäufen versetzen Chile in die Lage zu investieren sowohl in Produktionsanlagen als auch in wichtige Infrastrukturprojekte. Ende Oktober 2010 reiste der chilenische Staatspräsident Sebastián Piñera zusammen mit drei seiner Fachminister und chilenischen Unternehmern (unter ihnen befanden sich auch Vertreter des führenden chilenischen Messeveranstalters FISA S.A.) nach Europa, um für den Wirtschaftsstandort Chile zu werben. Im Rahmen eines Seminars in Berlin zum Thema "Investitions- und Geschäftsmög-lichkeiten in Chile" unterstrich der Staatspräsident vor rund 80 deutschen Unternehmensvertretern den Anspruch Chiles, am "Informationszeitalter" partizipieren zu wollen, nachdem das Zeitalter der Industrialisierung an Chile vorbeigezogen sei. Chile strebt ein jährliches Wirtschaftswachstum von 6 % an. Voraussetzung für das angestrebte Wirtschaftswachstum ist eine stabile, sichere Stromversorgung. Sonnen- und Windenergie und Biomasse sind in Chile zunehmend gefragte Energiequellen. Die Energiewirtschaft wie Stromversorger, Bergbaukon-zerne u.a. planen derzeit mehrere Großprojekte. Bis 2020 sollen 20 % der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Weitere Schwerpunkte im Ausbau der Infrastruktur sind unter anderem der Gesundheits- und Bildungssektor, der Ausbau der Häfen und Flughäfen sowie des Straßennetzes.

Stand: 9/2011
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