1. Regelmäßig wird der wachsende weltweite Messewettbewerb beschworen. Welche Chancen geben Sie mittelfristig dem Messestandort Deutschland?
Böse: Der Messestandort Deutschland ist für mich keine Frage der Geografie, sondern der Qualität. Ginge es nur um Hallenkapazität und Nähe zu Produktionsstandorten und zu neuen Absatzmärkten, dann wäre die Karawane in mancher Branche mit ihren Leitmessen längst weiter gezogen, beispielsweise in die supermodernen Gelände Asiens.
Ich glaube fest an eine gute Zukunft des Messestandorts Deutschland innerhalb Europas, einem Markt mit bald 500 Millionen Konsumenten, ohne nennenswerte Handelsbeschränkungen und mit einer Währung. Erfahrung, globale Marktkenntnis und Know-how haben den deutschen Messen einen Vorsprung in der globalen Messewirtschaft verschafft. Wir haben es verstanden, uns zu einem der wichtigsten Marketingpartner und Kommunikationsdienstleister unserer Kunden zu entwickeln. Der Wettbewerb im Ausland ist nicht per se das Problem, sondern seine schnelle Lernkurve. Wir müssen in Deutschland auch in Zukunft flexibler, innovativer und näher am Kunden sein als der Rest der Welt. Wir müssen wachsam bleiben.
2. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen im nationalen und internationalen Messewettbewerb?
Böse:In der zunehmend globalisierten und digitalisierten Welt verändern sich die Anforderungen an die Live-Kommunikation und damit die Plattformen, auf denen sich die Wirtschaftspartner treffen. Messen sind dann attraktiv, wenn der Nutzen im richtigen Verhältnis zum Aufwand steht. Die Messeteilnehmer erwarten über Kontakte und Innovationen hinaus neue Ideen als Inspiration für ihr Geschäft.
Das wollen wir leisten. Wir wollen Themenführer für die Branchen sein, die uns ihre Kommunikation und ihren Markt anvertrauen. Kommunikationsqualität in Verbindung mit qualifizierten Kundenkontakten ist das wesentliche Merkmal, das in Zukunft im Messegeschäft die Spreu vom Weizen trennt. Wir wollen optimale Kommunikationsqualität bieten. Das müssen wir auf den Leitmessen der Branchen, die der Koelnmesse seit Jahrzehnten vertrauen, permanent weiterentwickeln. Und wir müssen es auf neue Veranstaltungen wie z. B. die Premiere der gamescom in diesem Jahr übertragen.
3. Welche Kommunikationsinstrumente werden künftig die schärfsten Konkurrenten der Messe sein?
Böse: Dies ist nicht allein die Frage von Internet, Direktmarketing oder klassischer Werbung. Da steht die Messe seit Jahren bestens da, wie der AUMA ja immer wieder nachweist. Ich sehe mit Sorge die Tendenz einzelner großer Hersteller zu Hausmessen, zu Roadshows, zu eigenen Events mit den wichtigsten Kunden, aber auch die zunehmende Macht der Einkaufsverbände mit eigenen Messen und Musterungen. Diese Entwicklung folgt in aller Regel kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Kriterien, und es ist nicht an mir, dies zu kritisieren.
Ich appelliere aber gerade an die deutschen Marktführer, in langfristigen Branchendimensionen zu denken und das Beziehungsgeflecht Zulieferer, Abnehmer, Handel, Verbände und Medien, das sich auf einer Messe manifestiert - und zwar auf globaler Ebene - aufrecht zu erhalten. Auch sie profitieren von dem, was das Instrument Messe auszeichnet: neue Produkte, große öffentliche Wirkung, Top-Einkäufer.
4. Was sind für Sie die wichtigsten Funktionen des AUMA? Was wünschen Sie dem AUMA für die Zukunft?
Böse: Kommunikation braucht Vernetzung. Was wir als Messegesellschaften in den einzelnen Branchen, am jeweiligen Messeplatz und auch an den von uns bespielten ausländischen Standorten leisten, das leistet der AUMA für die Messewirtschaft und für die Reputation des Marketinginstruments Messe insgesamt.
Bei aller Wertschätzung durch die ausstellenden Unternehmen bleibt der Stellenwert von Messen in der Politik, in der öffentlichen Wahrnehmung, aber beispielsweise auch in der Marketingausbildung an den Universitäten noch deutlich ausbaufähig. An dieser Front brauchen wir den AUMA auch in der Zukunft. Ich wünsche allen Aktiven die nötige Kraft und eine starke Unterstützung für die gemeinsame Sache durch ihre Partner und Mitglieder aus allen Bereichen.
Quelle:
AUMA_Compact Nr. 5, 13.3.2009. - AUMA_Compact stellt in einer Serie die
Vorstandsmitglieder des AUMA vor, abwechselnd Vertreter der Wirtschaft und der
Messeveranstalter jeweils in alphabetischer Reihenfolge.
3/2009