Über den Tellerrand

Über Shanghai nach Wuhan: Meine Reise zu Chinas dynamischer Messewelt

Als ich Mitte Januar meine Reise nach China antrat, wusste ich, dass mich anlässlich meiner Teilnahme am China Expo Forum for International Cooperation 2026 (CEFCO) ein intensives Programm erwartet – doch wie sehr mich diese Tage beeindrucken würden, ahnte ich noch nicht. Zwischen Shanghai und Wuhan durfte ich so die beeindruckende Dynamik eines der bedeutendsten Messemärkte der Welt aus nächster Nähe erleben.

Visafragen im Fokus

Austausch mit dem Deutschen Generalkonsulat

Auf dem Programm meiner Reise stand zunächst ein Termin mit dem stellvertretenden Generalkonsul des deutschen Generalkonsulats in Shanghai Lukas Meyer. Wir sprachen über ein Thema, das mich schon seit vielen Jahren beschäftigt und für die Internationalität des Messeplatzes Deutschland mit entscheidend ist: die Erteilung von Visa zur Teilnahme an Messen in Deutschland. 

Im Jahr 2025 kamen aus China über 20.000 ausstellende Unternehmen und knapp 8.000 Besucher zu den internationalen Messen nach Deutschland. Damit stellt China die größte Gruppe ausländischer Aussteller auf dem Messeplatz Deutschland. Die Visastelle in der Wirtschaftsmetropole Shanghai erteilt dabei mit Abstand die meisten Messe-Visa innerhalb Chinas. 

Im Gespräch mit dem stellvertretenden Generalkonsul wurde klar, dass die langen Wartezeiten, die seit der Pandemie die termingerechte Einreise zu Messen in Deutschland erschwert haben, nun endlich der Vergangenheit angehören. Auch Personalaufstockungen haben hier zur Entspannung der Situation beigetragen.

Zugleich konnte ich umgekehrt bei meiner Einreise die jüngst verlängerte visumfreie Einreise für deutsche Staatsangehörige nach China nutzen. So kam ich selbst in den Genuss dieser spürbaren Erleichterung für Geschäftsreisen und Messebesuche in China.

Shanghai

Einblick in eine der dynamischsten Messestädte

Nächste Station war das Shanghai New International Expo Centre (SNIEC). Ein chinesisch-deutsches Joint Venture zwischen den Messegesellschaften München, Deutsche Messe AG und Düsseldorf einerseits und der chinesischen Shanghai Lujizui Exhibition Development Co. Ltd.  andererseits. Mit 17 Hallen, rund 200.000 qm Hallenfläche und mehr als 90 Veranstaltungen im Jahr ist das SNIEC das erfolgreichste Messezentrum Chinas.

Ganz ausnahmsweise fand bei meinem Besuch auf dem Messegelände keine Veranstaltung statt. Dennoch waren die Hallen nicht leer: Er herrschte ein reges Treiben an Handwerkern und Personal. Denn die kurze veranstaltungsfreie Zeit wird dazu genutzt, das Gelände zu modernisieren und Instandhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Beim Gelände-Rundgang mit dem Geschäftsführer des SNIEC Michael Kruppe, der mir viele spannende Einblicke gab, zeigte sich die enorme Dimension des Betriebs. Alles ist auf Effizienz und Fortschritt ausgelegt – ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Dynamik der Metropole.

Shanghai selbst unterstreicht diesen Eindruck. Zwischen historischem Bund mit seinen kolonialen Prachtbauten und der Skyline mit ihren 193 mehr als 150 m hohen Hochhäusern, zwischen digitalen Bezahlsystemen und eng getakteter Metro, die mit über 500 Stationen und einer Gesamtlänge von 800 km die größte der Welt ist, wird deutlich, wie eng urbane Infrastruktur und Messeentwicklung miteinander verwoben sind. Auch die Shanghai Magnetschwebebahn Maglev, die mit bis zu 430 km/h verkehrt, steht sinnbildlich für Geschwindigkeit und technologische Ambition. Sie führt Messeteilnehmer in nur acht Minuten vom Flughafen Pudong zum 30 km entfernten Messegelände SNIEC. 

 

Wuhan

Drehscheibe im Zentrum Chinas

Weiter ging es in gerade mal drei Stunden und 45 Minuten per Hochgeschwindigkeitszug nach Westen ins 840 km entfernte Wuhan. Die chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge verbinden chinesische Metropolen in wenigen Stunden – komfortabel, zuverlässig und eng in das landesweite Verkehrsnetz eingebunden. Allein zwischen 2021 und 2025 wurden in China 12.000 km Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken gebaut und in Betrieb genommen. 97 Prozent aller Städte mit mehr als einer halben Million Einwohnern verfügen über eine Hochgeschwindigkeitsbahnverbindung. Für eine Messewirtschaft, die von Mobilität lebt, ist diese Infrastruktur ein strategischer Standortvorteil.

China Expo Forum 2026

In Wuhan stand meine Teilnahme am dreitägigen China Expo Forum for International Cooperation 2026 (CEFCO) im Mittelpunkt – einem der wichtigsten internationalen Branchentreffen Asiens, das vom China Council for the Promotion of International Trade veranstaltet wird.

Dort sprach ich u.a. über „Global Exhibition Industry in Transformation – Trends and Future Prospects“. Im Fokus meines Beitrags standen die Bedeutung der deutschen Messewirtschaft, globale Trends wie KI, KPIs und Nachhaltigkeit sowie Zukunftsszenarien. Auch die Rolle von Leitmessen als Treiber von Innovation und wirtschaftlicher Dynamik sowie die Bedeutung einer gelebten Willkommenskultur habe ich thematisiert.

 

Fazit: China bleibt Schlüsselmarkt

Die Reise machte für mich in beeindruckender Weise deutlich, mit welcher Dynamik sich die Messewirtschaft in China entwickelt und wie effizient die hierfür erforderliche Infrastruktur funktioniert. 

Die deutsche Messewirtschaft ist eng mit China verflochten - als Aussteller- und Besucherland ebenso wie als Partner für deutsche bestehende Messekonzepte als auch Markt für exportorientierte deutsche Unternehmen: im Jahr 2026 organisieren deutsche Messeveranstalter 81 Messen in China, auf 29 Messen in China wird Gemeinschaftsstände deutscher Unternehmen im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundes geben. Formate wie CEFCO stärken den Dialog und ermöglichen es dem AUMA, die Stimme der deutschen Messewirtschaft im globalen Netzwerk der Messewirtschaft hörbar zu machen – über den Tellerrand hinaus.
 

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