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8. Dezember 2020Aus- & Weiter­bildung

Ausbildung im Messe- und Eventmanagement in Zeiten von Corona

​Wie wirkt sich die aktuelle Situation an den Hochschulen und in der Ausbildung im Bereich Messe- und Eventmanagement aus? Wir haben Dozentinnen und Dozenten um einen Einblick gebeten, wie sich die Hochschulen im laufenden Lehrbetrieb auf das Thema Messe und Corona einstellen.


Prof. Dr. Cornelia Zanger, TU Chemnitz:

"'Corona-Zeit ist Zeit für die Aus- und Weiterbildung', sagen sich junge Fach- und Führungskräfte, die die Messebranche in eine erfolgreiche Zukunft im 'New Normal' nach der Krise begleiten wollen. Die TU Chemnitz hat sich mit ihren berufsbegleitenden Studiengängen B.Sc. Messe- und Eventmanagement und MBA Live-Kommunikation den neuen Herausforderungen durch die Anpassung der Curricula an die sich verändernde Arbeitswelt in der Messebranche gestellt. Der Kompetenzatlas wird sowohl bei den Messeveranstaltern als auch den ausstellenden Unternehmen und den Messebau- und Kommunikationsagenturen neu aufgestellt.


Neben Kreativität und branchenspezifischem Fachwissen wird digitale Expertise zu einer notwendigen Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit an zukunftsorientierten Messekonzepten. Schon seit Beginn der Pandemie wird in den Seminaren die Konzeption hybrider und digitaler Veranstaltungsformate behandelt. Der Zuspruch zu den Studiengängen gerade auch jetzt in der Branchenkrise zeigt, dass sich das Konzept der TU Chemnitz, zukunftsorientierte Lehrinhalte und interaktives Online-Learning zu verbinden, bewährt."



Prof. Stefan Luppold, DHBW Ravensburg:
 
"Wir haben insgesamt ein Bild, mit dem wir zufrieden sein können. Der Start in das 1. Semester 2020 begann mit einer zwar deutlich reduzierten Anzahl an 'Neuen', allerdings immerhin doch mehr als 50% des Vorjahres. Aktuell studieren im Fachbereich BWL – Messe-, Kongress- und Eventmanagement 75 Erstsemester, verteilt auf vier Kurse. Trotz der Krise konnten wir neue duale Partner gewinnen, die entweder nur bedingt betroffen oder nicht direkt auf der Anbieterseite sind. Insofern rechnen wir für 2021 mit einer wieder erhöhten Studentenzahl im ersten Semester. Viele jener dualer Partnerunternehmen, die für 2020 abgesagt haben, wollen 2021 wieder Studienplätze belegen. 
Bei den Bachelor-Absolventen dieses Jahres haben viele bereits einen Vertrag oder sind in Gesprächen. Die Zahl derer, die im Anschluss einen Master machen werden, steigt. Die Quote der Übernahmen bei den dualen Partnern ist aktuell etwas gesunken, weshalb es alternative Übernahmen gibt.

Stand November 2020, also mit einem Vorlauf von fast einem Jahr bis zum Beginn des Wintersemesters 2021, haben wir eine Reservierungszahl von Studienplätzen wie vor der Pandemie. Das zeigt einerseits den Optimismus der Veranstaltungsbranche, steht andererseits aber auch für die Verantwortung der akademischen Nachwuchs-Qualifizierung in strategischer Hinsicht.

Der Lehrbetrieb musste seit April 2020 zunächst vollständig von Präsenz auf Online umgestellt werden. Die digitale Plattform Alfaview wird bei uns – so die Resonanz von Studenten wie auch von Dozenten – erfolgreich genutzt. Eine Lockerung ab Oktober erlaubte zunächst die hygienekonforme Präsenzlehre für die Erstsemester, diese musste jedoch im November beendet werden. Hochschuleinrichtungen wie beispielsweise die Bibliothek haben ihr digitales Angebot ausgebaut, bleiben aber in begrenztem Umfang geöffnet. Prüfungen finden soweit möglich online statt, Klausuren allerdings unter besonderen Auflagen in den Gebäuden der DHBW."



Prof. Dr. Isabelle Thilo und Prof. Dr. Gernot Gehrke, Hochschule Hannover: 

"Seit dem 13. März 2020 herrscht im Bachelorstudiengang Veranstaltungsmanagement (BVM) – wie in vielen Hochschulen – der Ausnahmemodus. Mit dem Schließen der Präsenzlehre an der Hochschule Hannover galt es, rasch nach alternativen Möglichkeiten zu suchen und diese einzusetzen.



Es hat funktioniert: Seit dem 17. März findet die Lehre über alternative Wege - vor allem live online - statt. Wir wollten gemeinsam mit den Studierenden mit und aus der Krise lernen und haben die Online-Lehre im Studiengang Veranstaltungsmanagement auch in den zahlreichen Praxisprojekten des Studiengangs eingesetzt. Die positive Resonanz der Studierenden, die hier mitziehen und auch eigene Beiträge sowie den Austausch mit anderen Semestern konzipieren, bestärkt uns in unserem Ansatz. Mit den Akteuren der Veranstaltungswirtschaft sind wir über Video-Gastvorträge in einem engen Kontakt und diskutieren gemeinsam die Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken hybrider und virtueller Veranstaltungsformate. So vollzieht sich auch im Studiengang ein (notwendiger) Digitalisierungs-Push sowie eine neue Wertschätzung der persönlichen Begegnung und des Austauschs.

Wir haben Beiträge von Studierenden gesammelt, die sehr ausführlich und differenziert über ihre (Lern-)Erfahrungen im Studiengang mit der Corona-Krise informieren."



Prof. Dr. Bernd Schabbing, International School of Management:

"Die absehbar längere Einwirkung von Corona ab März 2020 hat uns dazu bewogen, das Thema auch strukturell in die Vorlesungen im Studiengang B.A. Tourism & Event Management aufzunehmen. Entsprechend wurden die meisten Event-Skripte themenspezifisch erweitert und angepasst, auch, weil ja eine Rückkehr zur 'alten Normalität' aus vielerlei Gründen erst in 2-4 Jahren zu erwarten ist - und sicher nie wieder auf das Niveau vor 2020. Schon im Sommersemester haben die Dozenten und Professoren bereits COVID19 und die Folgen für die Eventbranche in den Vorlesungen behandelt. 




Basis waren die ersten Unterlagen vom AUMA und FAMAB zum Thema, u.a. im Fach 'MICE' sowie im Fach 'Trends im Privat- und Geschäftsreisetourismus', wo die Studierenden auch Zukunftszenarien von Corona und den jeweiligen Folgen für die Event- und Messenbranche analysiert haben. Bereits dort wurden auch die Aufgabenstellungen in den Eventfächern so angepasst, dass die Studierenden auch Corona-konforme Events planen und realisieren mussten.

Entsprechend sind die Themen und Unterlagen wie Schadensberichte der Messebaubranche sowie die verschiedenen Schriften des AUMA zu Schäden der Messewirtschaft sowie Maßnahmen für eine coronakonforme Messedurchführung / Messestandgestaltung Teil relevanter Vorlesungen geworden. So wurden in den Fächern 'Kreation & Konzeption von Events' ebenso wie in 'Planung & Realisation von Events' auch die Vorgaben von Bund und Ländern zu COVID 19 und entsprechender Gestaltung von Events aufgegriffen. Auch die RIFEL Studie vom Sommer 2020 wurde im Unterricht eingesetzt. Weiterhin wurde das Thema mit den Erstsemestern im Rahmen des Einführungsseminars diskutiert, auch und vor allem bezüglich zukünftiger Entwicklung und Berufsperspektiven in der Veranstaltungs- und Messenwirtschaft. Im laufenden Semester haben wir neben den (oft extern aus dem Fach kommenden) Dozenten auch Praktiker in den Vorlesungen mit Gastbeiträgen zur Lage und Zukunft der Branche zu Wort kommen lassen."



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