Messepraxis

AUMA MesseForum Künstliche Intelligenz: KI-Tools in den Regelbetrieb integrieren

AUMA-MesseForum KI

Wie verändert Künstliche Intelligenz Organisation, Führung und Entscheidungsprozesse in der Messewirtschaft? Beim MesseForum KI des AUMA diskutierten Messeveranstalter aus ganz Deutschland, wie KI vom Pilotprojekt zur strategischen Kernaufgabe wird.

Um einen Überblick in einer Phase rasanten technologischen Wandels ging es auf dem MesseForum KI, das der AUMA am 23. und 24. März in Berlin veranstaltete. Rund 35 Messeveranstalter aus ganz Deutschland tauschten sich dort über ihre Erfahrungen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz aus, einer Technologie, die, wie AUMA‑Bereichsleiter Hendrik Hochheim im Auftakt betonte, von den Messegesellschaften als zentrale Herausforderung der kommenden Jahre verstanden wird.

Im Mittelpunkt dieses MesseForums stand die Erkenntnis, dass KI nicht nur einzelne Prozesse verändert, sondern die Grundlagen der Messeorganisation insgesamt. Der AUMA möchte diesen Transformationsprozess aktiv begleiten und sieht in der starken, vernetzten Struktur der deutschen Messeveranstalter einen entscheidenden Vorteil, um KI wirksam, verantwortungsvoll und zukunftsorientiert einzusetzen.

Verantwortung vor der Entscheidung: Was KI für Führung bedeutet

Im Vortrag von Prof. Dr. Vanessa Just wurde eindrucksvoll gezeigt, wie sich Verantwortung im Zeitalter von KI grundlegend verschiebt. Wenn KI-Systeme mitentscheidend wirken, entsteht die eigentliche Verantwortung nicht erst im Moment der Entscheidung, sondern bereits davor: in der Auswahl der Daten, in der Modelllogik, in der Definition von Grenzen und Zwecken. Prof. Just machte deutlich, dass KI nicht nur Ergebnisse liefert, sondern vorgibt, was sichtbar wird und welche Optionen überhaupt zur Wahl stehen und damit die Architektur von Entscheidungen verändert.

Zentral war die Frage, wer Verantwortung trägt, wenn Mensch und System gemeinsam entscheiden. Klassische Kontrollmechanismen greifen zu spät, weil KI probabilistisch arbeitet, also auf Wahrscheinlichkeiten basiert. Außerdem entwickeln sich die Modelle sich dynamisch weiter und Menschen neigen durch „Automation Bias“ dazu, Systemvorschläge zu übernehmen. Verantwortung verschwimmt, wenn Eingriffe nur noch nachgelagert möglich sind. Prof. Just betonte daher, dass Organisationen klare Zuständigkeiten schaffen müssen: Wer legt Regeln fest? Wer definiert die Trainingsdaten? Wer trägt die Folgen, wenn Entscheidungen oder systembedingte Verzerrungen auftreten?

Führung entscheidet nicht mehr primär über Ergebnisse, sondern über die Bedingungen, unter denen KI wirken darf. Transparenz über Grenzen, Eingriffsfähigkeit und eine bewusst gestaltete Entscheidungsarchitektur werden zu zentralen Führungsaufgaben. Vertrauen in KI entsteht nicht durch Technologie selbst, sondern durch kompetente Organisationen, klare Leitplanken und Verantwortliche, die ihre Rolle aktiv wahrnehmen. Der Impuls von Prof. Just macht deutlich: 

Verantwortung wird nicht weniger – sie verlagert sich. Und nur wer diese Verschiebung gestaltet, bleibt entscheidungsfähig.

KI als Organisationsaufgabe: Vom Pilotprojekt zur Organisationstransformation

Im gemeinsamen Panel präsentierten Patrick Woelke (Koelnmesse), Anne Sophie Bernard (Messe München), Jakob Ilg und Andreas Dörrfuß (NürnbergMesse) sowie Julia Uherek und Ernst Janzen (Messe Frankfurt) ihre Erfahrungen auf dem Weg zur KI gestützten Messeorganisation. Trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte zeigten alle Beiträge denselben Trend: KI entwickelt sich von punktuellen Piloten hin zu einem festen Bestandteil der Unternehmensprozesse. Die Häuser berichteten übereinstimmend von ähnlichen Herausforderungen: Datenqualität, organisatorische Verankerung, Kompetenzaufbau, Governance und die Transformation der internen Arbeitskultur.

In der Session wurde deutlich, dass alle präsentierenden Messegesellschaften vor derselben zentralen Herausforderung stehen: KI ist nicht länger ein optionales Experiment, sondern eine strukturelle Zukunftsaufgabe, die tief in Organisation, Kultur, Datenlandschaft und Arbeitsprozesse eingreift. Obwohl die Ansätze unterschiedlich starteten, zeigte sich ein stark übereinstimmendes Bild: Jede Messe arbeitet daran, KI von der Pilotphase in den verlässlichen, skalierbaren Regelbetrieb zu überführen und stößt dabei auf sehr ähnliche Muster.

Fazit: Alle Messeunternehmen befinden sich im selben Transformationsmoment, weg von isolierten KI-Projekten hin zu einer integrierten, ganzheitlichen KI Organisation. KI wird dabei nicht als Tool verstanden, sondern als Katalysator, der Prozesse neu strukturiert, Mitarbeitende befähigt, Kundenerlebnisse verbessert und gleichzeitig neue Anforderungen an Governance, Daten und Führung stellt. Die Session zeigte damit ein konsistentes Branchenbild: Die Messewirtschaft hat verstanden, dass KI kein Zusatz ist, sondern der nächste logische Schritt ihrer digitalen Weiterentwicklung — und dass der Weg dorthin ein gemeinsamer Lernprozess bleibt.
 

Exkurs in die Startup Welt: Merantix AI Campus

Im Anschluss besuchten die AUMA-Gäste den Merantix AI Campus, einen zentralen Berliner Knotenpunkt für KI‑Startups, Forschungsteams und Unternehmensinnovation. Im Vortrag von CO-Founderin und CEO Janette Wiget wurde deutlich, wie Merantix ein Ökosystem schafft, in dem junge Unternehmen und etablierte Akteure gemeinsam an KI‑Lösungen arbeiten, mit kurzen Entwicklungszyklen, hoher Experimentierfreude und einem starken Fokus auf Anwendung. Die Teilnehmenden bekamen einen Einblick in die besondere Start-up‑Kultur des Campus: flache Hierarchien, schnelle Entscheidungswege und ein kollaboratives Selbstverständnis, das den Austausch zwischen Teams und Branchen bewusst fördert.

 

Innovation braucht eine konsequente Verankerung im täglichen Arbeiten

Im Vortrag von Dr. Jan Trenczek, Prognos AG,wurden zentrale Erkenntnisse aus der gemeinsamen AUMA Prognos Studie „Messen im Zeitalter von KI“ vorgestellt und in den Kontext des aktuellen Transformationsdrucks der Branche eingeordnet. Dabei machte er deutlich, dass Messen heute an einem Wendepunkt stehen: KI ist nicht länger ein Experimentierfeld, sondern wird in vielen Funktionen, von Marketing über Besuchermanagement bis hin zur Sicherheit, zum strukturellen Bestandteil der Wertschöpfung. Die Studie zeigt verschiedene Zukunftsbilder auf, die von lokalen KI Insellösungen bis hin zu vollständig vernetzten Plattformen reichen und verdeutlichen, vor welchen strategischen Entscheidungen Messeunternehmen aktuell stehen.

Quick Wins und Zeitfresser beim Einsatz von KI-Tools

Besonderes Augenmerk lag darauf, wo Messeveranstalter kurzfristig wirksame Potenziale heben können und wo tiefgreifendere Veränderungen notwendig sind. Die Potenzial Aufwand Matrix der Studie zeigt, dass im Marketing schnelle Effizienzgewinne möglich sind – etwa durch KI gestützte Content Produktion oder automatisierte Kundenansprache. Gleichzeitig wurden zentrale „wichtige Projekte“ sichtbar, darunter KI gestützte Sicherheitslösungen, datengetriebene Analyse Instrumente und intelligente Besuchersysteme. Trenczek betonte, dass solche Anwendungen weit über die Einführung neuer Tools hinausgehen: Sie berühren Datenmodelle, Prozesslogiken, IT Infrastruktur und Rollenverteilungen in den Organisationen.

Abschließend stellte der Vortrag die Frage nach der Innovationsfähigkeit der Branche. Trotz wachsender KI Nutzung bestehen weiterhin Defizite bei Datenintegration, Infrastruktur, Kompetenzen und Innovationsmanagement. Die Studie zeigt: Für eine breite KI Adoption braucht es klare Verantwortlichkeiten, moderne Systemlandschaften, definierte Erfolgskennzahlen und eine feste Verankerung von Innovation im Arbeitsalltag – nur so gelingt der Schritt von der Orientierung zur Umsetzung.
 

Workshop zum Stand des KI-Einsatzes

Im Workshop zu Workflows und Prozessen in der Messepraxis ordnete Christian Poell (INPROSA Consult) den aktuellen Stand des KI‑Einsatzes in den Organisationen ein und gab einen praxisnahen Impuls. Im Fokus standen die Identifikation und Priorisierung geeigneter KI‑Anwendungsfälle entlang von Nutzen, Umsetzbarkeit und organisatorischem Reifegrad. Ergänzt wurde der Workshop durch einen offenen Austausch zu unterschiedlichen Vorgehensweisen und Erfahrungen aus der konkreten Projektarbeit mit KI in Messeunternehmen.

Fazit: Das MesseForum KI des AUMA machte deutlich: Die Messewirtschaft befindet sich mitten in einem grundlegenden Transformationsprozess. Künstliche Intelligenz ist kein ergänzendes Werkzeug mehr, sondern ein strukturprägender Faktor, der Organisationen, Entscheidungslogiken und Führungsrollen nachhaltig verändert. Ob Governance, Datenstrategie, Kompetenzaufbau oder Unternehmenskultur – KI greift tief in bestehende Strukturen ein und verlangt klare Verantwortlichkeiten sowie neue Formen von Führung.

Zugleich zeigte das Forum ein starkes gemeinsames Branchenbild: Messeveranstalter stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen und verfolgen das gleiche Ziel, KI vom isolierten Pilotprojekt in einen stabilen, verantwortungsvoll gesteuerten Regelbetrieb zu überführen. Der Weg dorthin ist komplex, aber gestaltbar – vorausgesetzt, Orientierung wird konsequent in Umsetzung übersetzt. KI wird damit zum Katalysator der nächsten Entwicklungsstufe der Messewirtschaft und zu einer gemeinsamen Lernaufgabe der Branche.


AUMA MesseForen sind eine offene, praxisnahe Veranstaltungsreihe des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA: Sie dienen der Qualifizierung, dem kollegialen Austausch und dem gemeinsamen Weiterdenken aktueller Branchenthemen. Erhalten Sie hier weitere Informationen zum nächsten AUMA-MesseForum, dem MesseForum Compliance.
 

 

 

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