Interview

„Gute Gespräche sind oft wichtiger als spektakuläre Messestände“

Im Interview erklären Geschäftsführerin Annika Bach und Vorstandsmitglied Thorsten Schulte die Bedeutung von Messen für Austausch und Markterschließung und zeigen, warum der neue Verband für seine Mitglieder eine starke Stimme im AUMA ist.

Der Bundesverband grabenlose Technologien (BGT) steht für Innovationen, die man selten sieht – die aber Städte, Umwelt und Infrastruktur am Laufen halten. Im Interview mit Anne Böhl geben Geschäftsführerin Annika Bach und Vorstandsmitglied Thorsten Schulte Einblicke in eine international vernetzte Branche, erklären die Bedeutung von Messen für Austausch und Markterschließung und zeigen, warum der neue Verband für seine Mitglieder eine starke Stimme im AUMA ist.

 

Der Bundesverband grabenlose Technologien ist gerade aus der Fusion von German Society for Trenchless Technology und des Rohrleitungssanierungsverbands hervorgegangen und nun Mitglied im AUMA. Wofür steht die Branche und welche Rolle spielt der neue Verband dabei? 

Annika Bach: Unsere Branche arbeitet dort, wo man sie kaum sieht: unter der Erde. In Deutschland gibt es allein im öffentlichen Kanalnetz rund 619.000 Kilometer Leitungen. Diese Infrastruktur muss erhalten und regelmäßig erneuert werden. Grabenlose Technologien ermöglichen das oft ohne große Baustellen an der Oberfläche. Das spart Zeit, Kosten und schont Städte und Umwelt. Der neue Bundesverband bündelt erstmals die Kräfte der Branche – von Herstellern über Bauunternehmen bis zu Ingenieurbüros – und schafft eine gemeinsame Plattform für Technik, Austausch und Interessenvertretung.

Die German Society for Trenchless Technology ist seit 2022 Mitglied im AUMA. Diese Mitgliedschaft haben Sie also mehr oder weniger geerbt. Was macht den AUMA für Ihre Branche attraktiv?

Thorsten Schulte: Viele Innovationen unserer Branche sieht man zum ersten Mal auf einer Messe. Dort wird sichtbar, wie sich Infrastrukturtechnologien weiterentwickeln, oft lange bevor sie im Alltag ankommen. Für uns als Verband ist deshalb der Austausch mit Unternehmen der Grabenlos-Branche aus anderen Ländern sehr zentral. 

Die AUMA-Mitgliedschaft haben wir formal aus der GSTT übernommen, inhaltlich ist sie für den BGT aber ein wichtiger Baustein. Viele unserer Mitglieder sind international aktiv und nutzen Messen gezielt zur Markterschließung. Über den AUMA sind wir näher an diesen Entwicklungen und können unsere Mitglieder besser bei ihren internationalen Aktivitäten unterstützen. Zudem sind viele unserer Mitgliedsfirmen kleine oder mittelständische Unternehmen. Für diese wäre eine Teilnahme an ausländischen Messen ohne die Förderung über den AUMA nicht möglich. 

Was sind die Leitmessen Ihrer Branche? Was zeichnet diese aus?

Thorsten Schulte: Eine Leitmesse muss drei Dinge leisten: Innovation zeigen, Kontakte ermöglichen und konkrete Lösungen für die Praxis sichtbar machen. Genau das leisten internationale Leitveranstaltungen unserer Branche, etwa die jährlich stattfindende internationale NO-DIG der ISTT, die regionalen Messen wie die Trenchless Asia oder Trenchless Middle East, sowie internationale Leitmessen im Themenfeld Wasser und Abwasser. Dort trifft sich die gesamte Wertschöpfungskette: von Herstellern über ausführende Unternehmen bis zu Netzbetreibern und Ingenieurbüros. Für unsere Branche sind solche Plattformen entscheidend, weil neue Technologien dort nicht nur präsentiert, sondern direkt diskutiert, verglichen und in Projekte übersetzt werden.

Unter Ihren Mitgliedern gibt es auch einen großen Anteil exportorientierter Unternehmen. Wo sind Ihre Märkte?

Thorsten Schulte: Viele unserer Mitglieder sind international aktiv. Besonders wichtig sind Märkte in Europa und Nordamerika, aber auch Australien, Neuseeland, Asien, Südamerika und der Nahe Osten. Also eigentlich überall auf der Welt, da der Bedarf weltweit ähnlich ist: Leitungsnetze werden älter, Städte wachsen und Infrastruktur muss erneuert oder neu verlegt werden, ohne das Leben an der Oberfläche massiv zu beeinträchtigen. Genau hier spielen grabenlose Technologien ihre Stärken aus. Die deutsche Grabenlos-Industrie nimmt eine internationale Vorreiterrolle ein, gilt als internationaler Taktgeber der Branche und setzt somit die weltweit maßgeblichen Standards. Die AUMA-Aktivitäten, und insbesondere die deutschen Gemeinschaftsstände, tragen wesentlich dazu bei, diese Vorreiterrolle zu behalten.

Haben Sie selbst Anknüpfungspunkte zu Messen oder ein persönliches, herausragendes Erlebnis auf einer Messe?

Annika Bach: Mein letztes Erlebnis zeigt, wie unkompliziert Messen sein können. Ein Besucher kam an unseren Stand und hatte schon länger mit dem Gedanken an eine Mitgliedschaft im Verband gespielt und hat sie nach unserem Gespräch direkt vor Ort auf dem iPad abgeschlossen. Ganz ohne großes Bühnenprogramm oder aufwendige Standtechnik. Das hat mir wieder gezeigt: Gute Gespräche sind oft wichtiger als spektakuläre Stände. 

Sehr gute Erfahrungen machen wir auch mit kurzen Messerundgängen. In jeweils fünf Minuten stellen wir ein Mitgliedsunternehmen vor. Viele Teilnehmende kommen danach noch einmal zurück, um das Gespräch zu vertiefen. Genau dafür sind Messen da.


31. März 2026

Der Bundesverband grabenlose Technologien (BGT) wurde 2025 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Als eingetragener Verein vertritt er die Interessen von rund 225 Mitgliedern aus Wirtschaft, Planung, Wissenschaft und öffentlicher Hand. Dazu zählen Unternehmen, Ingenieurbüros, Kommunen, Netzbetreiber, Hochschulen sowie persönliche Mitglieder. Der BGT versteht sich als nationale Interessenvertretung für grabenlose Technologien und ist zugleich international gut vernetzt.

Annika Bach ist Geschäftsführerin des Bundesverbands grabenlose Technologien (BGT). Seit Herbst 2025 leitet sie den neu gegründeten Verband. Sie schätzt Veranstaltungen, bei denen Technologie, Praxis und persönliche Gespräche zusammenkommen, etwa auf der IFAT in München.

Thorsten Schulte ist Head of Pipe Bursting Center beim Spezialmaschinenhersteller TRACTO in Lennestadt. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im grabenlosen Bauen. Nach einem BWL Studium absolvierte er Weiterbildungen zum Innovationsmanager und zertifizierten technischen Trainer. Schulte engagiert sich im Vorstand des Bundesverbands grabenlose Technologien (BGT) und der International Society for Trenchless Technology (ISTT) sowie in mehreren Facharbeitsgruppen.

 

 

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