Interview

„Queer-Netzwerke schaffen Sichtbarkeit und Sicherheit im Arbeitsumfeld“

Im Interview sprechen Annalena Vorndran (Messe München) und Thomas Franken (Messe Düsseldorf) darüber, warum Sichtbarkeit wichtig ist, wie sie im #MesseMonatMärz den Zero-Discrimination Day gestalten und welche Themen sie besonders bewegen.

Queer ist eine gängige Bezeichnung für Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich als nicht eindeutig männlich oder weiblich beschreiben. Queere Netzwerke gibt es an einigen Messeplätzen. Annalena Vorndran von der Messe München und Thomas Franken von der Messe Düsseldorf erzählen im Interview mit Steffen Schulze (AUMA), warum es wichtig ist, Queer-Sein sichtbar zu machen, wie sie im #MesseMonatMärz den Zero-Discrimination Day gestalten und welche Themen sie bewegen.

 

Liebe Annalena, lieber Thomas, eine Weile schon gibt es bei euch, der Messe München und Messe Düsseldorf, Queer-Netzwerke. Wieso sind diese wichtig? 

Annalena Vorndran: Queere Netzwerke sind wichtig für Mitarbeitende, weil sie den Austausch fördern und dem Thema Vielfalt im Unternehmen, aber auch nach außen, Sichtbarkeit verleihen. Alle Menschen sollten sich in ihrem Unternehmen sicher fühlen und sein dürfen, wie sie sind. Zudem ist es wichtiger denn je, Haltung zu zeigen und sichtbar zu machen, dass Menschen bunt und divers sind und keiner sich für die Liebe zu einer anderen Person verstecken sollte. 

Thomas Franken: Queer-Netzwerke schaffen Sichtbarkeit und Sicherheit im Arbeitsumfeld. Sie geben Kolleginnen und Kollegen Raum für Austausch, stärken Zugehörigkeit und senden ein klares Signal: Vielfalt ist Teil unserer Unternehmenskultur. Gerade in einer internationalen Branche wie der Messewirtschaft ist es wichtig, Diversität nicht nur zu akzeptieren, sondern zu fördern.

 

Bei unserer Branchenaktion #MesseMonatMärz habt Ihr am Zero-Discrimination Day mitgemacht. Für all diejenigen, die das nicht gesehen haben, was genau habt ihr da gemacht? 

A: Wir haben ein Zeichen gegen Diskriminierung in allen Formen gesetzt und auf verschiedene, teils auch unscheinbarere Projekte wie Stammtische für chinesische, französische oder russische Kolleg:innen sowie das Angebot von Sprachkursen, Schulungen zum Thema Unconscious Bias, die Schwerbehindertenvertretung oder unsere Netzwerke aufmerksam gemacht. Inklusion ist nicht eindimensional und basiert auf Bewusstsein und Respekt für unser Gegenüber.

T: Im MesseMonatMärz setzen wir Düsseldorfer gemeinsam mit der Messe München ein Zeichen für Offenheit und Respekt. Unter dem Motto „Die Messewelt ist bunt“ machen wir deutlich, dass Vielfalt für uns kein reines Aktionstag-Thema ist, sondern Teil unserer Unternehmenskultur. Sichtbarkeit ist wichtig, weil sie Orientierung gibt – nach innen wie nach außen. Sie signalisiert Mitarbeitenden, Partnern und Gästen: Bei uns ist jeder Mensch willkommen und kann sich einbringen.

 

Unter dem Dach des AUMA haben wir mehrere Queer-Netzwerke unserer Mitglieder digital in den Austausch gebracht. Wieso ist euch das Gespräch über euren Standort hinaus wichtig? Was empfehlt ihr anderen, wenn sie ein Netzwerk aufbauen wollen? 

A: Wenn es um Menschlichkeit geht, sollte man bewusst versuchen, voneinander zu lernen und zu profitieren. Hier sollte aus meiner Sicht keine Konkurrenz, sondern ein Miteinander bestehen. Wir als Queer-Netzwerk der Messe München können andere an unseren bisherigen Erfahrungen bei der Gründung eines Netzwerkes, der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt sowie der Einrichtung einer Anlaufstelle für queere Mitarbeitende teilhaben lassen.

T: Vielfalt endet nicht am eigenen Messegelände. Der Austausch über die Messegesellschaften hinweg hilft, voneinander zu lernen und Synergien zu nutzen. Wer ein Netzwerk aufbauen will, sollte Verbündete suchen, klare Ziele definieren und Rückhalt der Geschäftsführung sichern. Wichtig ist außerdem Kontinuität, denn ein Netzwerk lebt vom Engagement und der Beteiligung.

 

Was treibt euch in den Queer-Netzwerken derzeit besonders um? Was sind eure Themen?

A: Aktuell laufen die Vorbereitungen auf unsere diesjährige, mittlerweile dritte Teilnahme am Christopher Street Day in München. Wir wollen den Fokus auf unsere Messefamilie legen. Die Parade ist besonders für uns als queere Personen eine Demonstration, weiterhin offen leben und lieben zu dürfen. Für viele gehören die Partner:innen an diesem Tag fest dazu. Die Kombination aus Truck und Fußgruppe ermöglicht uns, diese Momente zu schaffen, ganz nach unserem Unternehmensmotto – moments that matter. 

T: Uns beschäftigen auch Themen wie Allyship. Dazu planen wir in Düsseldorf eine erste Informationsveranstaltung für alle Mitarbeitenden unter dem Titel „How to be a good Ally“ und haben einen kurzen Leitfaden dazu erarbeitet. Wir möchten auch unsere Präsenz in der Stadt stärken und planen unsere erste Teilnahme am Christopher Street Day in Düsseldorf.

 

Wir im AUMA planen derzeit ein MesseForum zum Thema Diversität in Unternehmen. Was würdet ihr euch dabei wünschen?

A: Ich würde mir wünschen, dass dieses MesseForum eine Möglichkeit bietet, mit Vorurteilen aufzuräumen, die queeren Personen leider noch immer begegnen. Queerness im Arbeitskontext sollte nichts sein, dass man verschweigen muss. Im Gegenteil: Diversität ist eine Stärke. Ein Schwerpunkt sollte die Diskussion darüber sein, wie sich das Leben von queeren Personen aufgrund der aktuellen weltweiten politischen Lage verändert.

T: Ich wünsche mir einen praxisnahen Dialog mit konkreten Best Practices aus der Branche. Besonders wichtig ist mir die persönliche Begegnung. Wie bei unseren Messen entsteht echter Mehrwert im direkten Gespräch. Ich erhoffe mir davon neue Impulse, eine engere Vernetzung der Gruppen und eine nachhaltige Zusammenarbeit über verschiedene Themen hinweg.

 

Annalena Vorndran (Jahrgang 1997) ist seit 2024 bei der Messe München. Dort arbeitet sie als Centermanagement Coordinator. Zuvor hat sie einige Jahre als examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in der Kinderonkologie gearbeitet, bevor sie sich für einen Branchenwechsel entschieden hat. Ihre liebste Messe ist die f.r.e.e., da sich dort ihre Leidenschaft für Sport und Reisen verbinden. Neben ihrer Arbeit studiert Annalena Vorndran Wirtschaftspsychologie im Bachelor, den sie voraussichtlich 2028 abschließen wird. 
Kontakt: Annalena.Vorndran@Messe-Muenchen.de


Thomas Franken (Jahrgang 1985) ist seit 2020 Director der Kunststoff- und Kautschukmesse K in Düsseldorf. Der gebürtige Düsseldorfer ist seit 2009 bei der Messe Düsseldorf und startete dort als Trainee. Nach mehreren Jahren im Auslandsbereich für internationale Messeprojekte wechselte er 2015 in das Team der K und übernahm später die Gesamtverantwortung für die international führende Fachmesse.
Kontakt: proud@messe-duesseldorf.de


11. März 2026

 

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