Die militärische Eskalation in der Golf-Region wirkt sich zunehmend auf das Messegeschäft aus. Die ersten Messen sind verschoben worden - das betrifft auch deutsche Gemeinschaftsstände. Günther Endres, geschäftsführender Gesellschafter von Dega‑Expoteam, spricht im AUMA-Compact-Interview mit Anne Böhl über die konkreten Folgen für seine Durchführungsgesellschaft, den Umgang der Aussteller mit der neuen Lage und darüber, warum es für solche Krisen keinen Masterplan geben kann.
Lieber Günther Endres, Sie realisieren im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums deutsche Gemeinschaftsstände auf Messen auch in der Golf-Region, in der nun infolge der militärischen Eskalation Messen verschoben werden. Darunter ist auch die Middle East Energy, die für April geplant war. Was bedeutet diese Entscheidung zunächst für Ihr Unternehmen?
Neben der Middle East Energy Dubai wurde nun auch die GISEC Dubai, Gulf Information Security Expo & Conference, die für Anfang Mai geplant war, in den September verschoben. Auf beiden Messen sind German Pavilions geplant. Dies hat Konsequenzen für uns als Durchführungsgesellschaft: Zum einen ein deutlich erhöhter organisatorischer und finanzieller Aufwand, da mit allen Ausstellern, Behörden, Veranstaltern, Dienstleistern ein Großteil der bereits erledigten Korrespondenz neu aufgerollt werden muss. Dieser Aufwand wird nur zu einem kleinen Teil vergütet. Außerdem drohen durch die Verschiebungen Personalengpässe im Herbst, da nun Aufträge anstehen, die in dieser Zeit nicht eingeplant waren. Da es bei solchen Verschiebungen auch zu Rücktritten kommt, können finanzielle Einbußen bei sonstigen Dienstleistungen dazukommen.
Welche operativen und wirtschaftlichen Herausforderungen bringt eine solche Verschiebung mit sich – etwa in der Planung, Logistik oder Personaldisposition?
Es beginnt mit der zeitlich intensiven Abfrage bei den Ausstellern, ob diese zum neuen Termin überhaupt teilnehmen wollen oder können. Kommt es zu Absagen, müssen alle Bestellungen mit diesen Firmen rückabgewickelt, die Flächen neu aufgeteilt, mit allen Dienstleistern die Änderungen koordiniert werden. Reisen müssen storniert und neu gebucht werden. Und der interne Personaleinsatz muss neu koordiniert werden, vielleicht sogar Urlaubspläne geändert werden.
Wie reagieren die Aussteller auf die Terminverschiebung?
Zum Beispiel haben bei der Middle East Energy Dubai 13 von 82 Firmen ihren Rücktritt erklärt - wobei wir da eine höhere Quote erwartet hatten. Diese Rücktritte hängen hauptsächlich mit Terminkollisionen zusammen. Es besteht aber auch die Chance, dass Firmen neu hinzukommen, die sich am ursprünglichen Termin vielleicht nicht hätten beteiligen können. Bei der GISEC erwarten wir eine geringe Absagequote. Im Allgemeinen reagieren die Aussteller sehr professionell und verständnisvoll, wenn die Kommunikation transparent ist.
Wie schätzen Sie derzeit die allgemeine Lage im Messe- und Veranstaltungsgeschäft in der Golf-Region ein?
Man könnte meinen, dass ‘der Lack etwas ab ist‘ in der Region. Mittel- bis langfristig wird meiner Meinung nach, insbesondere Dubai, als Veranstaltungsstandort weiter sehr bedeutend für die gesamte Region bleiben. Vielleicht wird der Hype etwas gedämpft sein. Wichtig ist dabei aber, dass es wieder sicher wird in der Region. Solange die Lage instabil ist, werden Aussteller und Besucher sehr zurückhaltend sein in ihrem Engagement. Die VAE werden, auch von offizieller Seite, alles daran setzen, ein bedeutender und vor allem sicherer Veranstaltungsort zu bleiben.
Haben Sie seit der Corona-Pandemie einen Masterplan für solche Situationen? Hat das Verschieben und Absagen von Messen damals für das Heute etwas gelehrt?
Ein klares Nein zum Masterplan. In unserem Geschäft mit der Durchführung von Pavilions und Standbau auf Messen weltweit, können Sie sich auf solche unvorhersehbaren und extremen Situationen nicht vorbereiten. Hier eine Redundanz vorzuhalten, ist wirtschaftlich nicht möglich. Wir wissen ja nicht, wann und wo solche Ereignisse gerade eintreten, und ob wir gerade in dieser Region aktiv sind. Diversifizierung hinsichtlich Kundenstruktur, Produkten und Regionen hilft sicher bei der Reduzierung von Risiken.
Günther Endres (Jahrgang 1961) ist geschäftsführender Gesellschafter von Dega-Expoteam. Seit 1987 ist er im Durchführungs- und Messebaugeschäft tätig. Nach seinem BWL-Studium reizte ihn die Arbeit im Bereich internationales Veranstaltungsmanagement – eine Faszination, die ihn bis heute - 39 Jahre später – nicht losgelassen hat. Pro Jahr realisiert sein Unternehmen rund 30 bis 35 Durchführungs- und Messebauprojekte weltweit.
Kontakt
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Günter Endres auf LinkedIn
13. April 2026



