Der Messe-Effekt: Wertschöpfung, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit
Die wirtschaftliche Bedeutung der Messewirtschaft in Deutschland - Studie von Prognos im Auftrag des AUMA Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V., Berlin, Februar 2026.
Kernergebnisse
- In einem durchschnittlichen Messejahr im Zyklus 2024/25 finden mehr als 1.000 Messeveranstaltungen statt – darunter ein Drittel Messen mit internationaler und nationaler Bedeutung. Insgesamt zählen diese Messeveranstaltungen gut 21 Million Besuchseintritte und knapp 370.000 Aussteller.
- Insgesamt werden im Rahmen von Messeveranstaltungen fast 16 Milliarden Euro in Deutschland ausgegeben – 11,8 Milliarden Euro durch Aussteller, fast 4 Milliarden Euro durch Besuchende. Hinzu kommen Investitionen von Messegesellschaften in Infrastruktur und Energieeffizienz in Höhe von rund 140 Millionen Euro.
- Durch diese Ausgaben lösen Messeveranstaltungen in Deutschland direkte, indirekte und induzierte Umsätze in Deutschland insgesamt in Höhe von rund 29,9 Milliarden Euro aus.
- Auf die dazugehörigen wirtschaftlichen Aktivitäten ist eine Erwerbstätigkeit von 280.000 Personen zurückzuführen.
- Dienstleistungsaktivitäten rund um die Messewirtschaft wie die Vermietung oder der Bau von Messeständen sowie das Gastgewerbe profitieren am stärksten.
- Die wirtschaftlichen Aktivitäten führen zu Steuereinnahmen in Höhe von rund 5,4 Milliarden Euro in Deutschland.
Deutschland als global führender Messeplatz
Deutschland als Messeplatz zählt zu den weltweit führenden Messestandorten mit einer Vielzahl von internationalen Leitmessen. Diese ziehen jährlich zahlreiche Aussteller und Besuchende an, die Messen als Marktplatz für die Präsentation von Innovation, Geschäftsanbahnung und Networking nutzen. Die deutsche Messewirtschaft hat zudem einen signifikanten wirtschaftlichen Einfluss auf die Veranstaltungsorte und darüber hinaus. Sie sorgt für Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen insbesondere während des Zeitraums einer Veranstaltung – beispielsweise im Hotel- und Gastgewerbe und im öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie im Einzelhandel und im Handwerk.
Herausforderungen im Wandel: Pandemie, Digitalisierung und geopolitische Risiken
Die Corona-Pandemie und insbesondere die Messeverbote bedeuteten einen tiefen Einschnitt in die wirtschaftlichen Aktivitäten der deutschen Messewirtschaft. Mittlerweile hinzu kommen Herausforderungen durch die zunehmende Digitalisierung, Klimaschutzmaßnahmen oder geopolitische Konflikte, die sich zunehmend auf das Geschäftsleben auswirken. All diese Faktoren haben das Potenzial, die Messewirtschaft substanziell zu beeinflussen, da sie das Verhalten von Besuchenden und Ausstellern verändern können.
Eine Studie als strategische Grundlage für Messewirtschaft und Politik
Die vorliegende Studie liefert in dieser von tiefgreifenden Veränderungen geprägten Phase eine starke Entscheidungsgrundlage für Messeverantwortliche und die Politik. Sie bestimmt den gesamtwirtschaftlichen Effekt der Messewirtschaft in Deutschland für ein durchschnittliches Messejahr im Messezyklus 2024/25. Da nicht jede Messe jährlich stattfindet, gibt es stärkere und schwächere Messejahre.
Datengrundlage: Befragungen an zehn führenden Messestandorten
Entsprechend fließt der Effekt einer einzelnen Messe gewichtet in die Berechnung ein, je nachdem ob sie jährlich, alle zwei oder alle drei Jahre stattfindet. Die Datengrundlage bilden umfangreiche Befragungen an zehn deutschen Messestandorten zum Ausgabeverhalten von Ausstellern und Besuchenden bei ausgewählten Veranstaltungen. Teilnehmende Messestandorte: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Friedrichshafen, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Nürnberg.
Methodik: Input-Output-Modell zur Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Effekte
Über wissenschaftlich fundierte Input-Output-Modellrechnungen werden gesamtwirtschaftlich direkte, indirekte und induzierte wirtschaftliche und fiskalische Effekte quantifiziert. Damit wird methodisch auf bestehende Berechnungen aus dem Jahr 2018 aufgebaut (Penzkofer (2018): Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Messen und Ausstellungen in Deutschland, AUMA Edition 49 2018).
Datengrundlage und methodisches Vorgehen
Kern der Untersuchung ist die Bestimmung der wirtschaftlichen Bedeutung von Messeveranstaltungen in Deutschland in einem durchschnittlichen Messejahr im Zeitraum 2024/25. Während dieses Zeitraums fanden gut 1.875 Messeveranstaltungen statt. Gemäß des Messezyklus finden nicht alle Messen jährlich statt: Um die wirtschaftliche Bedeutung auch dieser nicht jährlich stattfindender Messen korrekt zu ermitteln, wird ein Gewichtungsverfahren genutzt. Dabei erhalten zweijährige Messen ein Gewicht von 0,5, dreijährige ein Gewicht von 0,33 und vierjährige Messen ein Gewicht von 0,25. Zu beachten ist, dass drei- oder mehrjährige Veranstaltungen, die nicht in diesen beiden Jahren 2024 oder 2025 stattfinden, ebenfalls Berücksichtigung finden. Dazu werden diese Veranstaltungen turnusgewichtet mit Daten zur letzten Veranstaltung mit einbezogen.
In dem zu untersuchenden Zeitraum fanden in Deutschland durchschnittlich 1.016 Messen pro Jahr statt. Dort haben gut 369.000 Aussteller sich und ihre Produkte präsentiert und mehr als 21 Millionen Besuchseintritte wurden verzeichnet.
Die Bestimmung der wirtschaftlichen Bedeutung erfolgt anhand folgender Arbeitsschritte:
- Befragungen: An zehn Messeplätzen wurden durch Marktforschungsinstitute in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt Befragungen bei 30 Messeveranstaltungen – jeweils von Besuchenden und Ausstellern – durchgeführt. Dabei wurde im Wesentlichen das Ausgabeverhalten im Rahmen eines Messebesuchs erfasst.
- Hochrechnungen: Über die Verknüpfung der Befragungsdaten mit Informationen zur Anzahl von Ausstellern und Besuchenden aus der AUMA-Datenbank wurden die Gesamtausgaben von Besuchenden und Ausstellern bei allen Veranstaltungen im relevanten Zeitraum näherungsweise bestimmt und turnus gewichtet.
- Branchenzuordnung: Diese hochgerechneten Gesamtausgaben wurden um einen durchschnittlichen jährlichen Investitionsbetrag von Messegesellschaften in Deutschland ergänzt und anschließend Branchen zugeordnet. Konkret wurde bestimmt, welche Branchen, durch diese Ausgaben Güter und Dienstleistungen bereitstellen.
- Input-Output-Rechnung: Die hochgerechneten Gesamtausgaben wurden anschließend in ein gesamtwirtschaftliches Input-Output-Modell eingespeist.
- Mit diesem werden neben den direkten Effekten auch die indirekten (entlang der Lieferkette) und induzierten (zusätzlicher Konsum durch zusätzliches Einkommen) Effekte bestimmt, die in Summe die Gesamteffekte – gemessen als Nettoumsatz – darstellen.
- Ableitung fiskalischer Effekte: Anschließend werden die dadurch angestoßenen Steuereinnahmen in Deutschland abgeleitet
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