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20. Januar 2017Personalien

Interview mit UFI-Präsident Andreas Gruchow

​​​​​​​Auf dem UFI-Kongress in Shanghai Anfang November 2016 trat Dr. Andreas Gruchow, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG Hannover, seine einjährige Amtszeit als Präsident der UFI  an – The Global Association of the Exhibition Industry.  AUMA-Compact fragte ihn nach seinen Zielen als UFI-Präsident.


AUMA: Herr Dr. Gruchow, was hat Sie bewogen, das Amt des UFI-Präsidenten zu übernehmen?

Andreas Gruchow: Ich engagiere mich bereits seit vielen Jahren stark sowohl im UFI- als auch im EM​ECA-Vorstand. Den Austausch mit den Wettbewerbern und Kollegen, das Aufnehmen von Trends und das aktive Gestalten der weltweiten Messebranche empfinde ich als große Bereicherung. Aus der Vorstandstätigkeit heraus habe ich bereits mehrere Initiativen maßgeblich mit anstoßen können, z. B. die Gründung der European Exhibition Industry Alliance (EEIA), in der sich UFI und EMECA gemeinsam in Brüssel bei der EU für die Interessen unserer Branche einsetzen. Entsprechend habe ich mich gefreut, als mich der damals amtierende UFI-Präsident Andrés López-Valderrama 2015 fragte, ob ich dieses Amt übernehmen wolle. Dem folge ich nun gerne.


AUMA:
Was denken Sie, mit welchen Herausforderungen muss sich die Messebranche künftig auseinandersetzen?

Andreas Gruchow: Zentrale Themen, auch für die UFI, sind sicher vor allem die Globalisierung und die Digitalisierung. Beide bieten Chancen, stellen die Branche aber auch vor Herausforderungen. Die Globalisierung ermöglicht unserer Branche das Engagement in sich dynamisch entwickelnden neuen Märkten mit Wachstumsraten, von denen wir in Europa nur träumen können. Basis für erfolgreiche internationale Messen ist aber der weltweite freie Handel. Die derzeit in einigen Ländern weltweit erkennbare Tendenz zu einer protektionistischeren Wirtschaftspolitik ist dabei nicht förderlich. Und auch die zunehmende Terrorgefahr dämpft das internationale Engagement mancher Aussteller. Durch die Digitalisierung bekommt die Messebranche neue Wettbewerber: z. B. Online-Plattformen, die ebenfalls Anbieter und Nachfrager zusammenbringen.

Aber den Messen nutzt die Digitalisierung natürlich auch. So steigern z. B. immer leistungsfähigere Matchmaking-Tools den Messeerfolg sowohl für Aussteller als auch für Besucher. Vertrauen hat nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert im Business. Es entsteht durch die persönliche Begegnung, für die wir mit unseren Messen die Plattform ermöglichen. Wenn wir es schaffen, diesen Vorteil mit dem Nutzen digitaler Tools zu verbinden, werden Messen auch im digitalen Zeitalter ihren zentralen Platz im Marketing-Mix behalten, davon bin ich fest überzeugt.

Als weiteres Thema möchte ich das Recruitment ergänzen: Unsere Attraktivität als Arbeitgeber und damit die aktive Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs für unsere Branche wird uns in den nächsten Jahren immer intensiver beschäftigen. Auch dem widmet sich die UFI.

AUMA: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

Andreas Gruchow: Meine Erfahrung bei der UFI lässt sich in dem Satz zusammenfassen: „The more you give, the more you gain.“ Das Networking auf UFI-Veranstaltungen, die Studien, Analysen, der Austausch in den Arbeitsgruppen und Think Tanks – all das war für mich in den vergangenen Jahren eine große Bereicherung. Es hat mir immer viele Impulse für meine tägliche Arbeit gegeben, und Ideen, die Branche und auch das Unternehmen Deutsche Messe, in dem ich arbeite, weiterzuentwickeln.

Ich habe mir – übrigens in enger Abstimmung mit unserem UFI-Geschäftsführer Kai Hattendorf – als ein zentrales Ziel für 2017 gesetzt, mehr Mitglieder unserer Organisation für die aktive Mitarbeit zu gewinnen. Denn ich bin überzeugt: Davon profitiert sowohl die UFI als auch jedes Mitgliedsunternehmen. Und die Voraussetzungen für ein verstärktes Engagement sind 2017 sehr günstig: Selten zuvor waren so viele Chapter-Vorsitze und weitere Funktionen neu zu besetzen. Das bietet ambitionierten Messeprofis weltweit die Chance, sich aktiv einzubringen.

Die UFI fördert auch Initiativen wie den „Next Generation Leaders Grant“. Inhaltlich wird uns besonders das Thema „Glocalization“ beschäftigen. Damit wollen wir die globalen Branchenthemen auf regionale Debatten und Dialoge in unseren Chapters, Committees und Events auf den einzelnen Kontinenten herunterbrechen.

AUMA:
Welche Erfahrungen aus der deutschen Messewirtschaft können Sie in die UFI einbringen?

Andreas Gruchow: Deutschland ist ein starker Messemarkt mit einer breiten Expertise in vielen Themen, die die Branche bewegen. Eine Besonderheit der deutschen Messewirtschaft ist, dass die meisten Gelände in öffentlicher Hand sind. Deutsche Messen sind erfahren im Betreiben von Messegeländen, auf denen sie als Vermieter und Servicedienstleister für Gastveranstaltungen und Kongresse auftreten. Gleichzeitig veranstalten sie eigene Messen. Die meisten Weltleitmessen finden in Deutschland statt – und fast alle großen Unternehmen sind inzwischen auch sehr aktiv im Ausland unterwegs. Und die deutsche Messewirtschaft ist führender Treiber für hohe internationale Standards, z. B. durch den AUMA, der zusammen mit der FKM für eine valide Vergleichbarkeit von Messen sorgt. Das versuche ich auch, in der UFI nach Kräften zu unterstützen.​

Andreas Gruchow (52) ist seit 1994 bei der Deutschen Messe AG in Hannover tätig. Der promovierte Maschinenbauingenieur war bis 2000 Leiter der Stabsabteilung EXPO Hannover 2000, übernahm danach die Leitung des Ge- schäftsbereiches Internationale Fachmessen und ist seit 2008 Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG. Von 2002 bis 2016 war er zusätzlich Geschäftsführer der Fachausstellungen Heckmann GmbH in Hannover. Andreas Gruchow engagiert sich in zahlreichen Ehrenämtern. So ist er unter anderem Vorstandsmitglied der EMECA und Board Member des Shanghai New International Expo Centre. In der UFI nimmt Dr. Gruchow seit 2010 verschiedene Ämter wahr.​​​





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